Digitale Bühne

Hier finden Sie Videoaufzeichnungen von Konzerten, die vom DTKV Berlin im Rahmen der neuen Reihe DTKV Digitale Bühne veranstaltet werden und auf diese Weise trotz der coronabedingten Einschränkungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden sollen.
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29. August 2020

Konzert 2 | DTKV - Digitale Bühne am 29.08.2020 in der Schwartzschen Villa - jetzt online!

Zum Auftakt der neu etablierten Digitalen Bühne des DTKV Berlin fanden am Samstag, den 29. August 2020, drei Konzerte mit Mitgliedern des Verbandes und Gästen im Großen Salon der Schwartzschen Villa statt. Die Konzerte wurden aufgezeichnet und stehen ab sofort als Streaming zur Verfügung. Hier sehen Sie Konzert II. mit: Kiyeon Kim, Jenny Marielle Dilg, Wolfgang Bensmann, Marika Gejrot, Mirjam Parma, Duo Zeitlos

 

Kiyeon Kim (Klavier) und Jenny Marielle Dilg (Bratsche)

Robert Schumann | Märchenbilder op. 113 für Bratsche und Klavier


„Es drängte mich imer zum Producieren, schon in frühesten Jahren, war’s nicht zur Musik, so zur Poësie“¹, erinnert sich Robert Schumann als 36-jähriger, wenn er an seine Kindheit denkt. So interessierte er sich schon früh für romantische Schriftsteller, deren Bücher er in der Bibliothek seines Vaters fand. Diese Neigung zur romantischen Träumerei spiegelt sich in den Märchenbildern op.113 für Viola und Klavier wider, die er 1851 schrieb und dem Bratscher Wilhelm Joseph von Wasielewski widmete. Die Märchenbilder, urspünglich „Violageschichten“, zeigen, dass Schumann dem Klang der Viola märchenerzählende Eigenschaften zuschreibt. Die einzelnen Sätze (I. Nicht schnell, II. Lebhaft, III. Rasch, IV. Langsam, mit melancholischem Ausdruck) kontrastieren sehr stark zwischen einem sehr zarten und schlichten Ausdruck einerseits und großer Emotionalität andererseits. Schumann wurde 1854 auf eigenen Wunsch in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, denn er hatte den Eindruck, er sei „seiner Sinne nicht mehr mächtig“². Die „Melancholie mit Wahn“, die ihm dort diagnostiziert wurde, zeigt sich in gewisser Weise auch in den Märchenbildern. Denn auf eine romantische Träumerei wie im ersten Satz folgt gleich ein sehr emotionales forte im zweiten Satz, gleiches gilt für den Übergang zwischen dem 3. und 4. Satz in umgekehrter Richtung. Der Zuhörer, der gerade ins Träumen kam, wird jäh geweckt und wenn er sich von den Emotionen hat mitreißen lassen, wird es plötzlich wieder ruhig und friedlich. (Quellen: schumann-portal.de, Wikipedia) 1) R. Schumann: Tagebücher. Bd. 2, hrsg. v. G. Nauhaus, Leipzig 1987, S. 402 2) B. Litzmann: Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern u. Briefen, Bd. 2, Leipzig 1905, S. 298 f.

 

 

Kiyeon Kim (Klavier)

Claude Debussy | Estampes I. Pagodes u. III. Jardins sous la pluie für Klavier solo

„Wenn man sich Reisen nicht leisten kann, muss man sie durch Fantasie ersetzen.“
Mit den drei Sätzen "Pagodes", "La soirée dans Grenade" (Ein Abend in Granada) und "Jardins sous la pluie" (Gärten im Regen) lässt Debussy im Zyklus Estampes in Bildern eine poetische Welt aus Landschaften und fernen Ländern entstehen. Er komponierte die Stücke im Sommer 1903 während eines Aufenthalts in Bichain im nördlichen Burgund. Die Estampes entstanden, als Debussy eigentlich an seinen drei berühmten sinfonischen Skizzen "La Mer" saß. Auf der Weltausstellung Paris 1889 war Claude Debussy (1862-1918) nachhaltig vom Klangbild eines javanischen Gamelan-Ensembles fasziniert. Er adaptierte die pentatonische Stimmung dieser Musik und ihr schwebendes Klangideal in seinem Kompositionsstil. Die offenkundigste Bemühung Debussys um die Adaption südostasiatischer Musik auf ein abendländisches Instrument mit wohltemperierter Stimmung zeigt das Klavierstück Pagodes, der erste Satz seines Klavierzyklus Estampes. Im dritten Stück kehrt Debussy nach Frankreich, in den Bois de Boulogne zurück. "Jardin de la Pluie" malt einen verregneten Sommernachmittag nach, mit perlend tropfendem Regen und leichtem Gewitter.

 

 

Wolfgang Bensmann (Fagott) und Marika Gejrot (Cello)

Paul Hindemith | Vier Stücke für Fagott und Violoncello

Die vier Stücke für Fagott und Cello komponierte Paul Hindemith 1941 in Yale (USA), wo er als Exilant eine Professur für Komposition an der Universität bekleidete. Im Manuskript verzichtete Hindemith auf die Festlegung der Besetzung. So ist es durchaus möglich, diese Stücke mit zwei Celli oder zwei Fagotten aufzuführen. In ihrer Interpretation griffen W. Bensmann und M. Gejrot die Anregung des Herausgebers auf, sogar die Stimmen innerhalb eines Stückes zu wechseln.

 

 

Wolfgang Bensmann (Fagott)

Dietrich Erdmann | Petite Conversation für Fagott solo

Dietrich Erdmann besuchte 1931 als 14 jähriger Gymnasiast Tonsatzkurse bei Paul Hindemith, später auch bei Lothar von Knorr und Harald Genzmer an der Volksmusikschule Neukölln. Schon während des Studiums (1935) gründete er einen "Arbeitskreis für Neue Musik" und wagte u.a. Werke von Strawinsky, Bartók und auch Hindemith aufzuführen. Nach dem Krieg gründete er neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer an der PH und dem Vorsitz des Verbandes deutscher Musikerzieher und konzertierender Künstler (VDMK) das "Studio für Neue Musik".

Wolfgang Bensmann zu "Petite Conversation":
Im Rahmen einer Kammermusikveranstaltung des "Studio Neue Musik" lernte ich Dietrich Erdmann kennen. Nach dem Konzert übereichte er mir die Noten von "Petite Conversation" mit den Worten "viel Spaß dabei Herr Bensmann". In der Tat, den hatte ich.
Kommunikation, der direkte Kontakt zu dem Musiker, waren für Dietrich Erdmann besonders wichtig. Durch eine intensive Zusammenarbeit mit dem damaligen Solofagottisten des Radiosymphonie-orchesters Berlin Hans Lemke entstand das Werk für Fagott solo, welches typisch für sein Schaffen, wie Erdmann einmal formulierte, von elementarer Freude am Tänzerischen, kammermusikalischer Durchsichtigkeit und Liebe zur Farbigkeit, aber auch zu formaler Klarheit geprägt ist.

 

 

Duo Zeitlos

Paul Hindemith | Konzertstück für zwei Altsaxophone

Paul Hindemith komponierte das Konzertstück für zwei Altsaxophone im Juni 1933 in Berlin. Er nannte es später eine „Kompositionsübung“. Er überreichte es noch im selben Monat Sigurd Rascher, wie dieser in seiner Ausgabe des Werks im Verlag „Mc Ginnis and Marx“ schrieb. Die Uraufführung spielte er am 29. Juli 1960 mit seiner Tochter Carina in den USA, in die er nach der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland über Skandinavien ausgewandert war. Hindemith habe das Werk niemals gehört, wie Rascher im Begleittext schrieb.

Der erste und zweite Satz sind im für Paul Hindemith typischen Neo-Barocken Stil polytonal und polymetrisch gehalten. Wie sein Vorbild Johann Sebastian Bach hat er zwei durchweg gleichberechtigte Stimmen komponiert, bei der die erste Stimme technisch etwas schwieriger ist.

Der dritte Satz lässt ein wenig mehr den Bürgerschreck Paul Hindemith erkennen. Der gut-bürgerlich selbstgefälligen Figur im ¾-Takt der Unterstimme setzt er eine moderne an einen Charleston erinnernde Tanzfigur in der Oberstimme entgegen, die mit einem volltaktig notierten Auftakt beginnt und mit nicht ausnotierten wechselnden Taktarten das wilde Leben der damaligen Nachtclubs erklingen lässt.

 

 

Mirjam Parma (Gesang), Jenny Marielle Dilg (Bratsche), Detlef Bensmann (Saxophon)

Siegfried Thiele | Drei Lieder mit Texten von Friedrich Hölderlin für Sopran, Viola u. Baritonsaxophon

Siegfried Thiele, 1934 in Chemnitz geboren, studierte in Leipzig und Berlin Komposition und Dirigieren. Seit 1962 lehrte er in Leipzig an der Hochschule für Musik, zuletzt als Rektor. Die Drei Lieder mit Texten von Friedrich Hölderlin (1770 - 1843), dessen 250. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, komponierte er 2014.

 

 

Das vollständige Konzertprogramm mit Informationen zu den Werken und Mitwirkenden finden Sie hier.

 

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